Kapitel Holz

Lieferkettenatlas Banner (19)

Wälder sind für uns überlebensnotwendig, da es kein besseres Mittel gegen die drohende Klima Katastrophe gibt. Sie kühlen unseren Planeten und reinigen unsere Luft. Zudem sind die Wälder auch die Heimat von unzähligen Tierarten. Holz ist aber auch einer der wichtigsten Rohstoffe weltweit und in Österreich darüber hinaus ein enorm bedeutsamer Wirtschaftsfaktor. Die österreichische Holzwirtschaft wiederum ist über die Jahre in manchen Bereichen sogar Weltmarktführer geworden. Ihre Aktivitäten sind insbesondere in den Ländern Süd- und Osteuropas von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Im Kapitel Holz des Lieferkettenatlas wollen wir am Beispiel der Familie Kaindl aus Salzburg und ihres Konzerns „Kronospan“ zeigen, wie problematisch die Lieferketten von multinational agierenden Konzernen ausgestaltet sein können. Dazu stützen wir uns auf umfangreiche eigene Recherchen sowie auf aktuelle Berichte von Partner*innen aus Tschechien, Kroatien und Rumänien.

Wir illustrieren dabei das undurchsichtige Unternehmensgeflecht und zeichnen Geldflüsse nach. Wir fassen die wichtigsten Vorwürfe zur Verletzung von Menschenrechten und Umweltstandards aus verschiedenen Ländern zusammen, in denen der Konzern aktiv war oder ist. Und wir zeigen die engen Verflechtungen zu Möbelriesen wie IKEA auf.

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Wem gehören Österreichs Wälder?

Zu Beginn ein paar Zahlen zum Überblick: Mit rund 48 Prozent ist fast die Hälfte der österreichischen Staatsfläche von Wald bedeckt, das ist deutlich mehr als der europäische Durchschnitt, der bei knapp 40 Prozent liegt.

In diesen Wäldern sind rund 985 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden. Doch wem gehört diese wichtige Ressource?

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Fast 82 Prozent des österreichischen Waldes befinden sich in Privatbesitz, darunter vorwiegend alte Adelsfamilien und die Katholische Kirche.

Nur in Portugal ist der Waldbesitz noch ungleicher verteilt.

Die restlichen 18 Prozent befinden sich im öffentlichen Eigentum, mehrheitlich betreut von den Österreichischen Bundesforsten sowie von Gemeinden und Ländern.

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Die größten privaten Waldbesitzer*innen sind:

• Franz Mayr-Melnhof-Saurau (rund 35.000 Hektar)

• Esterházy Betriebe Gmbh (rund 28.000 Hektar)

• Fürtstlich Schwarzenberg’sche Familienstiftung (rund 19.000 Hektar)

• Benediktinerstift Admont (rund 14.000 Hektar)

• Habsburg-Lothringen’sches Gut Persenbeug (rund 13.000 Hektar)

• Stiftung Fürst Liechtenstein (rund 24.000 Hektar)

• Familie Hoyos (rund 14.000 Hektar)

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Wirtschaftsfaktor Holz

Der Rohstoff Holz wird vor allem für den Export genutzt. Rund 60 Prozent der in Österreich produzierten Sägeprodukte werden exportiert, alleine damit wurden im Jahr 2020 über 5,5 Milliarden Euro umgesetzt. Beliefert werden nicht nur Länder innerhalb der EU, sondern auch die USA oder Japan. Und das, obwohl das Jahr 2020 auf Grund der Dürre und des dadurch bedingten starken Borkenkäferbefalls der Wälder, ein vergleichsweise schwaches Jahr für die österreichische Holzindustrie war. 

Doch die österreichische Industrie importiert auch eine ganze Menge Holz. Um rund 4,6 Milliarden Euro wurde 2020 aus dem Ausland importiert und hier verarbeitet. Der Bedarf an Baumstämmen ist rund doppelt so groß wie das Inlandsangebot. Im Jahr 2020 wurden in österreichischen Wäldern insgesamt rund 17 Millionen Festmeter Holz ohne Rinde geschlagen. Davon wurden rund 9 Millionen Festmeter zu Sägeholz verarbeitet. Diese Bretter werden dann hauptsächlich in Sägewerken weiterverarbeitet. Die rund 3 Millionen Festmeter Industrieholz, finden unter anderem in der Platten- und Papierindustrie ihre Verwendung. Rund fünf Festmeter Rohholz werden zu Brennholz verarbeitet, das entspricht circa 32 Prozent des gesamten geschlägerten Holzes.

Die Familie Kaindl und ihre Aktivitäten

Nun möchten wir am Beispiel des Salzburger Holzverarbeiter „M Kaindl“ zeigen, wie aus einem Österreichischen Familienunternehmen ein international tätiger Konzernriese wurde. Und aufzeigen, wie toxisch die Aktivitäten der Holzgiganten in der Praxis aussehen.

Die Geschäfte des Konzerns Kronospan stützten sich auf globale Lieferketten und eine undurchsichtige Schachtelkonstruktionen aus verschiedenen Subunternehmen, Holdings, Aktiengesellschaften, Stiftungen und eine Bank – von Asien bis Amerika. Dahinter verbergen sich illegale Abholzung, grobe Umweltzerstörung, Pestizidvergiftungen und die systematische Vermeidung von Steuern.

Wie alles begann

Erstes Kaindl Sägewerk 1897 - Gründung Lungötz
Bildquelle: kaindl.com

Es begann alles recht beschaulich. Matthias Kaindl gründete sein erstes Sägewerk im Jahr 1897 in Lungötz, gelegen im Salzburger Lammertal. Ab 1948 wurde dort statt massiven Brettern vorwiegend Sperrholz für die Möbelindustrie produziert, damit konnte der unternehmerische Erfolg beträchtlich gesteigert werden. Bereits 1959 konnte expandiert werden, es folgte der Bau eines Spanplattenwerks in Salzburg.

Mit der Produktion dieser Spannplatten gelang dem Unternehmen der große Durchbruch, da zeitgleich im Möbelbau nicht mehr auf den Verbau von Massivholz, sondern auf die viel billigeren und leichteren Spanplatten gesetzt wurde. 

Die Spaltung zwischen SWISS KRONO und KRONOSPAN

In den 1960er-Jahren wurde der väterliche Betrieb von den Söhnen Ernst und Matthias Kaindl übernommen. Im Jahr 1966 gründete Ernst Kaindl die Swiss Krono Group als Aktiengesellschaft für Holzindustrie in Menznau bei Luzern in der Schweiz. Mutmaßlich aus einem familiären Zerwürfnis heraus wurde 1987 die Familiengesellschaft der Kaindls dann aufgeteilt. Seither gibt es die „Krono Gruppe Schweiz“ unter Führung von Ernst Kaindls Tochter Ines Kaindl-Benes, sowie die „Kronospan Gruppe“, unter der Führung von Matthias Kaindl und dessen Sohn Peter.

Kronospan

Die Kronospan Gruppe konzentrierte sich fortan auf die kostengünstige Übernahme der staatlichen Sägewerke der ehemaligen DDR und dem Gebiet der Sowjetunion. Zu Schnäppchenpreisen wurden Werke in Polen, Ostdeutschland, Tschechien, Bulgarien, Slowakei, Russland, Rumänien, Kroatien, Ungarn, Ukraine und Serbien aufgekauft. Aber auch in Werke in Lettland, Dänemark, Belarus und Großbritannien werden bis heute Spanplatten im Akkord hergestellt. Zudem wird unter der Marke Kronochem auch Chemie für die Holzverarbeitung vertrieben.

Swiss Krono

Die Krono Gruppe Schweiz wurde nach der Spaltung zum Kern der Swiss Krono Group, die von Frankreich, Deutschland, Polen, Ungarn, der Ukraine, Russland, der Schweiz und den USA aus produziert und ihre Waren in 121 verschiedene Länder ausliefert. Verkauft werden Produkte wie Holz-Dekorplatten für den Möbel- und Innenausbau, Grobspanplatten und Laminatböden. Im Gegensatz zu Kronospan veröffentlicht Swiss Krono seine Umsätze, die im Geschäftsjahr 2018/2019 rund 2 Milliarden Schweizer Franken betragen haben sollen.

Doch trotz der Spaltung sind die verschiedenen Unternehmen zumindest durch die Verwandtschaft ihre Besitzer*innen und über das Salzburger Stammhaus, die M. Kaindl KG, immer noch in gewisser Weise miteinander verbunden. Ganz nachvollziehbar ist das jedoch nicht. Denn hinter unzähligen Subunternehmen in zig verschiedenen Ländern verbirgt sich eine komplexe Schachtelkonstruktion aus Aktiengesellschaften, Holdings, Stiftungen und einer eigenen Privatbank, die mögliche Verflechtungen verdeckt.

Im nachfolgenden wollen wir uns nun dem Kronospan-Konzern widmen, weil dieser nicht nur größer ist, sondern weil er intransparenter agiert und wesentlich mehr Verstöße dokumentiert sind, als das bei der „Swiss Krono“ der Fall ist. Dennoch möchten wir zuvor noch kurz einen Blick auf das Firmenkonstrukt dieses Schweizer Konzerns werfen, denn auch hier kann man die gewaltigen Dimensionen der Geschäftsaktivitäten gut nachvollziehen.

Swiss Krono

Kronospan, der unbekannte Weltmarktführer

Über Kronospan ist nicht viel bekannt. Das ist ungewöhnlich für ein Unternehmen, das Weltmarktführer ist. Der jährliche Umsatz wird auf rund 4 Milliarden Euro geschätzt, 14.000 Mitarbeiter*innen sollen beschäftigt werden. So wie die Mitglieder der Familie Kaindl, so bleibt auch die Beteiligungsstruktur in den Aktiengesellschaften und Holdings des Konzernriesen Kronospan so weit wie möglich im Verborgenen. Transparenz und Öffentlichkeit werden offenbar gezielt vermieden. 

Auch unser Fragenkatalog wurde von Kronospan leider nicht beantwortet. Es springt jedoch sofort ins Auge, dass die Stiftungen und Eigentümergesellschaften, welche die diversen Subunternehmen der Konzernkette besitzen, allesamt in Ländern untergebracht sind, die mit besonders niedriger Besteuerung locken. 

Lieferkettenatlas Banner Kronospan

So ist Zypern nicht nur bekannt für seine niedrigen Steuern und lockeren Vorschriften für Konzerne, die selbst Briefkastenfirmen zulassen, sondern auch der Firmensitz der Kronospan Holding P.L.C. der Gesellschaft Banasio Investments Limite. Erstere, dessen Direkter Peter Kaindl sein soll, soll wiederum laut Addendum auch die Spanplattenwerke im Ost-Europa halten. Auch Spiros Spyrou, der als Finanzchef von Kronospan auftritt hat dort einen Posten. 

Die zweite Gesellschaft soll mit dazu gedient haben, eine Bank auf Malta im ehemaligen Besitz der Raiffeisen International aufzukaufen. Denn laut österreichischen Firmenbuch war sie bis Jänner 2012 die alleinige Besitzerin dieser Bank, der East Centro Central Management SE (ECCM SE), die die Finanzierung der Kronospan Spanplattenwerke im Ost-Europa durchgeführt haben soll.

Die Banasio Investments Limite gehört offenbar der Luda Stiftung mit Sitz im nächsten Steuerparadies Lichtenstein, unter dem Bevollmächtigten Matthias Kaindl Junior, der auch im Direktorium der ECCM SE Bank auf Malta ist. Auch die Betuva Stiftung hat ihren Sitz im kleinen Fürstentum. Zu der Stiftung und ihrem offiziellen Zweck gibt allerdings keine öffentlich zugänglichen Informationen, im Stiftungsrat sitzt jedoch Spiros Spyrou, wir erinnern uns, dieser tritt als Finanzchef von Kronospan auf.

Und so verwundert es auch nicht wirklich, dass Kronospan in den sogenannten „Paradise Papers“ aufgetaucht ist. Diese sind eine Sammlung von geheimen Akten einer Anwaltskanzlei und eines Treuhandunternehmens, die 2016 geleaked wurden. In den Akten tauchten Tausende Milliardär*innen und Konzerne auf, die durch Geldwäsche und Verschleierung durch Schachtelkonstruktionen und Steuerparadiese im Großen Stil Steuern hinterzogen haben.

Wo Kronospan produziert

Kronospan lässt seine Produkte in 43 Werken in 23 Ländern herstellen. Allerdings befindet sich nicht ein einziges Werk in einem der Länder, in denen die Stiftungen und die Bank des Konzerns angesiedelt sind. Zwischen Produktion und Finanzverwaltung wird also sorgsam getrennt.

Klicke auf die Symbole der Karte, um mehr über die einzelnen Kronospan Subunternehmen zu erfahren.

Fast ebenso lang wie die Liste der Länder in denen Kronospan produziert, ist die Liste der Missstände die dem Konzern in diesen Ländern vorgeworfen werden. In Polen muss sich Kronospan für geheime Kartellabsprachen, Luftverschmutzung und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen verantworten.

Kronospan in Polen

Beginnen wir mit Polen. Hier musste sich Kronospan für geheime Kartellabsprachen, Luftverschmutzung und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen verantworten. Kronospan wurde nicht nur ein Bußgeld wegen illegaler Preisabsprachen auferlegt, es kam auch zu großen Protesten wegen Luftverschmutzung, einem Brand und einer vermeintlichen Facebook-Kampagne mit falschen Accounts. Zudem weigerte sich der Konzern eine Strafgebühr für eine fehlende Genehmigung für den Ausstoß von Schwermetallen wie Antimon, Arsen, Chrom, Kadmium, Kobalt, Mangan, Kupfer, Nickel, Blei, Quecksilber und Vanadium zu bezahlen.  

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„Kronobyl“

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Kronospan betreibt in Polen gleich acht verschieden Unternehmen.

In und rund um mehrere der Werke wurden in den letzten Jahren zahlreiche Missstände dokumentiert.

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Die Kronospan Werke in Mielec

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Zu den Kronospan-Werken in Mielec berichteten polnische Medien im Jahr 2018 über starke Rauchwolken, die von den Schornsteinen des Spanplattenwerks aus aufstiegen.

Die Anwohner*innen klagten über die schlechte Luftqualität und eine Vielzahl von Gesundheitsproblemen.

Auch viele Kinder im Ort litten offenbar an Bronchialprobleme und Allergien.

Quelle: Tageszeitung Fakt, 25. März 2018

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Die Einwohner*innen von Mielec nennen ihre Stadt in Anlehnung an Tschernobyl seither "Kronobyl".

Im März 2018 kam es zu großen Protesten. Die Anwohner*innen forderten, dass die Kronospan-Fabrik damit aufhören sollte, sie zu vergiften.

Sie glaubten nicht mehr an die Erklärungen des Konzerns der versicherte, dass es nach einer Modernisierung des Werks zu einer geringeren Belastung kommen würde.

"Wir wollen diese Anlage hier nicht!" skandierten die Demonstrant*innen.

Quelle: Tageszeitung Fakt, 25. März 2018

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Kronospan behauptete gegenüber den bis zu 15.000 Protestierenden und den Medien, dass es sich bei dem Rauch nur um Wasserstoff handeln würde.

Bei einer Inspektion im Februar 2018 wurde allerdings festgestellt, dass die Grenzwerte für Schwefeldioxid, Stickoxide und Kohlenmonoxid überschritten wurden.

Deswegen wurde später ein Verwaltungsverfahren zur Festsetzung der Höhe der Geldstrafe einberufen.

Quelle: Tageszeitung Fakt am 27. März 2018

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IIKEA kündigte 2019 nach Protesten von Anwohner*innen ein Audit in den Kronospan-Standorten in Mielec und Szczecinek an.

Der Vorwurf lautete, dass die Anlage negative Auswirkungen auf die Umwelt hätte und erhebliche Luftverschmutzung verursacht.

Der schwedische Möbelhersteller arbeitet mit Kronospan zusammen und bezieht von dem Unternehmen Holzkomponenten für die Möbelproduktion.

SmogLab, 10. Jänner 2019

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Im Februar 2021 wurde Kronospan wegen einer fehlenden Genehmigung für den Ausstoß von Schwermetallen wie Arsen, Chrom, Kadmium, Kobalt, Mangan, Kupfer, Nickel, Blei und Quecksilber, eine Strafzahlung vorgeschrieben.

Laut Behörden bezahlte der Konzern schon seit Jahren eine zu geringe Umweltgebühr und legte immer wieder Berufung gegen den von den Behörden festgesetzten erhöhten Betrag ein.

So sollen 2019 statt 900.000 Zloty nur 500.00 Zloty bezahlt worden sein. Das entspricht rund 110.000 Euro.

Quelle: Tageszeitung Wyborcza am 8. Februar 2021

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Im April 2021 berichteten Medien darüber, dass sich zu kritischen Artikeln über Kronospan, etwa über Brände oder Proteste, auffällig viele Kronospan-befürwortende Kommentare in sozialen Netzwerken finden.

Laut Aktivist*innen wurden die meisten von gefälschten Konten verfasst. Diese Aktionen von „Trollen“ erinnerten frappierend an die R4S-Kampagne gegen die Zuckersteuer für Coca-Cola.

Um gefälschte Konten zu erstellen, wurden dabei Bilder von Menschen aus russischsprachigen sozialen Medien verwendet. Laut Quellen bei R4S steckte die Agentur eines ehemaligen Pis-Politiker hinter der Desinformationsaktion.

Quelle: Tageszeitung Wyborcza am 28. April 2021

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Das Kronospan Werk Szczecinek

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Eine im August 2021 veröffentlichte Studie zur Produktion von MDF-Platten, die im Kronospan-Werk in Szczecinek hergestellt werden, kommt zu einem erschreckenden Ergebnis:

Die Bildung von feinen Holzstaubpartikeln in der Fabrik stelle ein erhebliches Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter*innen dar.

Quelle: Kminiak et al., 2021. Granulometric Characterization of Wood Dust Emission from CNC Machining of Natural Wood and Medium Density Fiberboard

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Die Arbeiter*innen unterliegen einem dreifach erhöhten Risiko an Atemwegserkrankungen, Nasenrachenkrebs und Lungenkrebs zu erkranken.

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Geheime Kartell-Absprachen

Fast vier Jahre lang wurden von den fünf Unternehmen Kronospan Szczecinek, Kronospan Mielec, Pfleiderer Group, Pfleiderer Wieruszów und Swiss Krono gemeinsam Preise festgelegt und vertrauliche Informationen ausgetauscht. Die Unternehmen, die drei großen Konzernen angehören, nahmen von Anfang 2008 bis September 2011 daran teil. Sie haben angeblich mündlich Preise vereinbart und vertrauliche Informationen ausgetauscht, beispielsweise den Zeitpunkt der Umsetzung von Erhöhungen und die Absatzmengen. Der Präsident des Amtes für Wettbewerb und Verbraucherschutz verhängte wegen der geheimen Absprachen Geldbußen in Höhe von mehr als 135 Millionen Złoty gegen die an der Verschwörung Beteiligten. Swiss Krono war das einzige Unternehmen, gegen das keine Geldbuße verhängt wurde. Das Unternehmen beschloss, die Kronzeugenregelung in Anspruch zu nehmen. (Quelle: Fakt – 28. Dezember 2017)

Missstände in anderen Ländern

Doch nicht nur in Polen sind zahlreiche Missstände dokumentiert, auch in Belarus, Großbritannien, der Ukraine, Bulgarien, Russland oder in Tschechien wurden zahlreiche Vorwürfe gegen den Konzern erhoben.

Wasservergiftung in Belarus

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Wasservergiftung in Belarus

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2016 musste die Kronospan FLLC in Belarus eine Strafzahlung über 104 Millionen Rubel
für die Verschmutzung des Flusses Vilija bezahlen, das entspricht rund 37 Millionen Euro.

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Der Konzern hatte sein Abwasser illegal in das Regenwasserabflusssystem eingebunden,
eine Überschreitung der Höchstkonzentration chemischer Substanzen wurde festgestellt.

Kronospan bestätigte den Vorwurf.

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Die Fluss Vilija, litauisch Neris genannt ist ein Fluss in Belarus und Litauen.
Der Fluss Vilija entspringt im Norden von Belarus, durchfließt die litauische Hauptstadt Vilnius
und mündet in Kaunas in die Memel.

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Der noch recht naturbelassene Fluss ist Heimat vieler Tierarten,
die wie die Menschen durch die Wasservergiftung gefährdet wurden.

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Laut Medienberichten soll Peter Kaindl soll engen Beziehungen zu dem Diktator und Staatsoberhaupt Lukaschenko unterhalten.

Lukaschenko hat Kronospan und das „ehrliche Geschäftsethos seines Führers“ häufig gelobt. Konzerne wie der von Peter Kaindl sollen laut Lukaschenko dazu beigetragen haben, „den aufstrebenden Ruf des Landes für wirtschaftliche Stabilität“ trotz der internationalen Kritik an seinem autoritärem Regime zu stärken.

Luftverschmutzung in anderen Ländern

Luftverschmutzung in GB, Bulgarien, Tschechien und der Ukraine

Luftverschmutzung in anderen Ländern

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Luftverschmutzung in Großbritannien

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Die Kronospan Spanplattenfabrik im britischen Chirk war eines der ersten Werke des Konzerns und wurde schon 1970 bezogen.

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2017 beauftragten 71 Familien in Chirk eine führende Anwaltskanzlei für Umweltrecht, um gerichtlich gegen die anhaltenden Staubprobleme vorzugehen, die bis heute von der Kronospan-Fabrik ausgehen. Anwohner*innen berichteten, dass sie ihre Fenster geschlossen halten mussten, um zu verhindern, dass Staub in ihre Häuser eindringt.

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Anwohner*innen beschweren sich außerdem, dass sie ihre Gärten nicht mehr nutzen können und dass sie regelmäßig ihre Autos waschen müssen, weil sich so viel Staub angesammelt hat.

Quelle: BBC, 2. März 2017

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2019 wurde der Konzern Kronospan Ltd. wegen eines anderen Vergehens mit einer Geldstrafe in Höhe von 80.000 Pfund belegt.

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Wie in Belarus wurde der Konzern auch in Großbritannien strafrechtlich verfolgt, nachdem er 2018 unerlaubt sein verschmutztes Gewerbewasser in die öffentliche Kanalisation eingeleitet hatte.

Quelle: The Leader, 29. April 2019

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2020 kam es schließlich zu dem dritten Brand in Chirk in weniger als drei Jahren. Schon 2018 wurden die Einsatzkräfte gerufen, weil in einem der Filtertürme ein Feuer ausgesprochen war, nachdem es im September 2017 bereits zu einem größeren Brand gekommen war.

BBC, 14. Januar 2020

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Landraub, Umwelt und Korruption in Russland

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Landraub, Umweltzerstörung und Korruption in Russland

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Kronospan hat in Russland einige Subunternehmen, und Fabriken in Elektrogorsk, Egorievsk, Lyudinovo, Chaadaevka und Igorevskaya.

Nach Angaben von Rusprofil hat Kronospan in Russland im vergangenen Jahr 26,5 Milliarden Rubel, also rund 323 Millionen Euro eingenommen
und einen Gewinn von 47 Millionen Euro erzielt.

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Der russische Antimonopoldienst hat erst im September 2021 gleich gegen mehrere Unternehmen des Kronospan-Konzerns ein Verfahren eingeleitet: Kronospan Bashkortostan LLC, Kronospan LLC, Kronospan OSB LLC und Kronospan GMH LLC.

Der Grund dafür waren zahlreiche Beschwerden von Konsument*innen über unangemessene Preiserhöhungen. Nach Prüfung der Marktlage kam der Antimonopoldienst zu dem Schluss, dass die Kronospan-Gruppe der größte Hersteller ist und daher eine zu dominante Stellung auf dem Markt einnimmt.

Quelle: NSP, 9. September 2021

Egoryevsk 1

Das Kronospan-Werk Egoryevsk produzierte im Jahr 2020
750.000 Kubikmeter Spanplatten.

2019 wurde in einem investigativen Film über Russlands Umweltprobleme festgehalten, wie der Abfall von Kronospan einfach in den Boden geschüttet wurde.

Die Folgen davon werden noch hunderte Jahre zu spüren sein. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Chemikalien über das Grundwasser in das gemeinsame Wasserversorgungssystem der nahe gelegenen Bevölkerungszentren gelangen.

Quelle: Bezformata, 20. November 2019

Ufa Titel

Die lange und unglaubliche Geschichte der Fabrik in Ufa

Start Ufa

Im Jahr 2008 unterzeichneten der baschkirische Präsident Rustem Chamitow (rechts) und Peter Kaindl (links), ein Investitionsabkommen zum Bau einer großen Fabrik. Die Parteien unterzeichneten die Vereinbarung am 17. August 2012.

Quelle: Profile, 1. September 2016

Ufa 2

Nach der Unterzeichnung der Investitionsvereinbarung begann Charitonow mit dem Aufkauf von Anteilen an dem für den Bau der Fabrik zugewiesenem Agrarland.

Offiziell bekam er die Grundstücksanteile von 366 Aktionär*innen geschenkt, aber in Wirklichkeit kaufte er sie für nicht mehr als 100 Tausend Rubel pro Grundstück auf. Später kaufte ihm die Entwicklungsgesellschaft der Republik Baschkortostan dieses 298 Hektar große Grundstück für 90,56 Millionen Rubel ab.

Der Gewinn von Charitonow aus diesem Geschäft betrug fast 200 %.

Quelle: Profile, 1. September 2016

Ufa 3

Charitonow war ein Untergebener von Viktor Varnavskiy, dem Miteigentümer der Ufa-Kranwerke, der zu dieser Zeit die Kirillovo Association of Peasant Farms leitete, auf der die von ihm erworbenen Grundstücke lagen.

Im Mai 2012 wurde daraufhin gegen Varnavskiy ein Strafverfahren eingeleitet.

Quelle: Profile, 1. September 2016

Ufa 1

2013 wurde die Kronospan Fabrik in Ufa schließlich gebaut.
Von Anfang an gab es Proteste der Einwohner*innen dagegen und um den Korruptionsskandal mit Rustem Chamitow wurde es nicht leiser.

Die Geschichte des Geländes, auf dem das Werk errichtet wurde, ist einzigartig.

Ufa 2

Denn das Ackerland, auf dem die Fabrik in Ufa gebaut werden sollte, gehörte dem Bruder des derzeitigen stellvertretenden Ministerpräsidenten von Baschkortostan, Tajitdinov. Dieser gilt als einer der wichtigsten Lobbyisten von Kronospan.

Die Bestechungsgelder, die Tajitdinov offenbar erhielt, sollen sich auf auf mehrere zehn Millionen US-Dollar belaufen.

Quelle: Rossijskij Reportjor, 19. September 2021

Ufa 3

Und die Brüder Tajitdinov stellten nicht nur das Land für den Bau des Werks bereit, sondern lieferten auch gleich das Holz für Kronospan.

Dafür pachteten sie laut Medienberichten tausende Hektar Wald, die für die Produktion der Kronospan-Platten abgeholzt werden sollten.

Quelle: Rossijskij Reportjor, 19. September 2021

Ufa 4

Experten zufolge wurde die von Kronospan errichtete Fabrik in Ufa ohne jegliche Genehmigung oder Abnahmebescheinigung gebaut und betrieben.

Und Aktivistinnen der Bewegung "StopKronospan", haben gegen die Entscheidung der baschkirischen Behörde, das Land in der Nähe von Ufa an das Unternehmen Kronospan zu verkaufen, Berufung eingelegt.

Ufa 5

Zuvor hatte das Gericht baschkirische Entwicklungsgesellschaft dazu verpflichtet, dem Unternehmen für 133,8 Millionen Rubel eine Fläche von 194,36 Hektar im Industriepark Ufimsky zu verkaufen, wo sich die Produktionsanlagen des Werks befinden.

Ufa 6

Im Juli 2021 wurde dann das Unternehmen "Kronospan OSB", dass die Fabrik in der Nähe von Ufa betreibt, zudem noch mit einer Strafe belegt.

Denn das Unternehmen hat nicht nur Abfälle ohne Genehmigung entsorgt. Es wurde auch festgestellt, dass es Abfallprodukte aus der Holzverarbeitung, die in die Gefahrenkategorie IV (schwach gefährlich) fallen verbrennt.

Dafür ist jedoch eine staatliche Genehmigung erforderlich, die die Fabrik nicht erhalten hat. Deswegen verhängte das Gericht eine Mindeststrafe von 40.000 Rubel.

Quelle: Pravda PFO, 5. Juli 2021

Ufa Schluss

Trotz allem produziert die Fabrik in Ufa jährlich weiter 700.000 Kubikmeter OSB-Platten und 850.000 Kubikmeter Spanplatten.

Quelle: NSP, 9. September 2021

Jegorjewsk

Auch die Kronospan Fabrik in Jegorjewsk muss sich mit Vorwürfen der Umweltverschmutzung auseinandersetzen.

Jegorjewsk

Denn die Ergebnisse von Grundwassertests des Wissenschaftlichen Zentrums
für Industrieökologie der Technischen Universität Samara, zeigten 2016, dass rund um die Kronospan Fabrik der Phenolgehalt die Norm um das Hundertfache und der Formaldehydgehalt um das Tausendfache überstieg.

Quelle: Pravda PFO, 2. September 2016

Bashkortostan

In Bashkortostan hat Kronospan Klage gegen die Umweltbehörde eingereicht.

Denn der Konzern ist mit dem Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsprüfung nicht einverstanden und fordert, dass die staatliche Eintragung als Anlage der ersten Umweltbelastungskategorie für rechtswidrig erklärt wird.

Diese erste Kategorie umfasst Einrichtungen, die eine erhebliche negative Auswirkung auf die Umwelt haben. Doch Kronospan behauptet, dass seine Fabrik nur unbedeutende negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Quelle: Kommersant, 1. September 2020

Bashkortostan Schluss

Der Umsatz von Kronospan in Bashkortostan
betrug im Jahr 2020 rund 12 Milliarden Rubel.

Doch da die Unternehmensgruppe Kronospan zu den beiden zypriotischen Offshore-Unternehmen Kronospan Holdings East Limited und Kronospan Holdings Russia Limited mit Sitz in Nikosia gehört, wird der größte Teil des Gewinns aus Russland ausgeführt, ohne dass dafür alle Steuern gezahlt werden.

Quelle: NSP, 9. September 2021, Rossijskij Reportjor, 19. September 2021

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Wo der Treibstoff für die Geschäfte von Kronospan herkommt

Nun wissen wir, wo die Wurzeln des Kronospan-Konzern liegen, wie er aufgebaut ist und wie er seine Geschäfte macht. Doch woher nimmt der Gigant eigentlich all das Holz? Und unter welchen Umständen wird das angebaut und geliefert? Bevor wir uns dem „Treibstoff“ von Kronospan widmen, wollen wir noch einen Blick auf die aktuelle Lage der Wälder in Europa werfen. Denn das verdeutlicht vielleicht noch einmal, wieso ihr Schutz so wichtig ist. 

Die letzten Urwälder Europas

Während die abgeholzten Flächen in den Wäldern Europas bis zum Jahr 2015 relativ konstant blieben, haben sie zwischen 2016 und 2018 mit 49 Prozent fast um die Hälfte zugenommen. Auch die Menge der geschlägerten Bäume stieg um knapp 70 Prozent.

Besonders schlimm ist der Trend zur Abholzung laut Satellitenbildern in Skandinavien, Estland, Lettland Litauen, Polen, Belarus und Russland, sowie in Südfrankreich, Spanien und Portugal. Nicht von der Zunahme der Abholzung betroffen sind nur Deutschland, Belgien, die Niederlande und Dänemark.

Zurückzuführen sei dies auf internationalen Handel und der Verwendung von Holz zur Energieerzeugung. Besonders Regionen, die durch Forstwirtschaft geprägt sind, also beispielsweise auf Holz als Brennstoff setzen, sind betroffen.

Klicke auf die Länder der Karte, um mehr über die einzelnen Wälder Europas zu erfahren.

Illegaler Kahlschlag in Kroatien

Ein ideales Beispiel für die Herkunft von Holz zur weiteren Verarbeitung durch Unternehmen wie Kronospan ist das EU-Mitglied Kroatien. Unser Nachbar wurde erst vor kurzem durch Investigativ-Berichte und die Aufmerksamkeit des EU-Abgeordneten Thomas Waitz ins Licht gerückt. Es geht um Korruption, Umweltverstöße und den Missbrauch von EU-Geldern.

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Illegaler Kahlschlag in Kroatien

Korruption, Umweltverstöße und Missbrauch von EU Geldern

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Insgesamt 37 Prozent Kroatiens, das sind rund 2 Millionen Hektar, sind von Wäldern bedeckt.

Etwa 95 Prozent davon sind weitgehend naturbelassene Mischwälder und mit rund 81 Prozent in staatlichem Besitz.

Drei Viertel der Wälder in der pannonischen Tiefebene sind Laubwälder und 15 Prozent sind Nadelwälder, die in den Gebirgsregionen wachsen.

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Erst im März 2021 hat ein Bericht der "Association of Veteransand Social Action (VIDRA)" die gefährliche Zerstörung der Wälder im Kroatischen Vesna Grgic aufgezeigt.

Als Ursache für den Kahlschlag großer Waldflächen werden von ihnen Korruption und finanzielles und ökologisches Missmanagement in den kroatischen Naturparks und Natura 2000-Gebieten genannt. Mit verheerenden Folgen für das Ökosystem.

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Zu den von den Abholzungen betroffenen Gebieten gehören:

- das Vogelschutzgebiet in "CRNA MLAKA"
- das Tierschutz Reservat "Varoski Lug"
- der Naturpark "Lonjsko Polje"
- "Donja Posavina"
- "Mount Zrinska Gora"
- und "Mount Bilogora"

Obwohl alle von ihnen ganz oder zumindest teilweise von der EU als "Natura 2000" Schutzgebiet klassifiziert sind.

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In all den betroffenen Waldgebieten soll ein mit dem FSC Gütesiegel ausgezeichnetes Unternehmen die Verantwortung für die Kahlschläge tragen.

Die Firma "Hrvatske Šume d.o.o." - auf Deutsch, die Kroatische Wälder GmbH.

Das FSC Gütesiegel steht schon lange in der Kritik, da es in zertifizierten Gebieten regelmäßig zu Abholzungen im Großen Still kommt und immer wieder Betrügereien aufgedeckt werden.

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Seit 2017 gibt es zudem keine genehmigten Forstpläne für kroatische Wälder.

Das Resultat sind schwerwiegende illegale Kahlschläge in geschützten Wäldern und Feuchtgebieten.

Außerdem fehlen Pläne und Investitionen zur Wiederaufforstung der abgeholzten Flächen.
Das hat katastrophale Folgen für die besonderen Vögelpopulationen und Tierarten in den Gebieten.

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Schwerwiegenden Mängel gibt es auch bei der Rückverfolgung der gefällten Baumstämme und des daraus geschnittenen Holzes.

Das führt dazu, dass Holz verloren geht und mehr geschlagen wird als erlaubt wäre.

Bei einem Strafverfahren gegen die Abholzung des "Mount Medvednica" durch die Firma "Hrvatske Šume d.o.o." stellten Umweltschützer*innen beispielsweise fest, dass 330.000 Kubikmeter Holz, im Wert von 14 Millionen Euro fehlten.

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Der Großteil der Abholzungen der Bäume in den kroatischen Wäldern werden von Subunternehmern durchgeführt, deswegen gibt es keine Übersicht und Kontrolle über die Wälder.

EU-Gelder wurden dafür missbraucht, um schwere Maschinen zur Abholzung der kroatischen Wälder zu kaufen.

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Angesichts all dieser Vorwürfe hat sich der EU Abgeordnete Thomas Waitz vor Ort ein Bild gemacht und an die Europäische Kommission gewandt.

Diese wird nun eine Untersuchung der Vorwürfe prüfen. Die europäischen Grünen fordern die EU-Kommission auf, die Schlupflöcher in der aktuellen Gesetzgebung zu schließen und die EU-Vorschriften in "Natura 2000" den und anderen Schutzgebieten durchzusetzen.

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Gerade wegen Mitgliedstaaten wie Kroatien, die den Schutzstatus von Wäldern ignorieren, braucht es eine europäische Forstvorgaben, die auch greifen.

Im Juli 2021 hat die EU-Kommission eine Forststrategie für 2030 zum Schutz der Wälder vorgeschlagen, aber viele Mitgliedsstaaten, wie auch Österreich haben Widerstände dagegen angekündigt.

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Auch Kronospan betreibt eine Fabrik in Kroatien.

Die Kronospan CRO d.o.o. Spanplattenfabrik in Bjelovar mit rund 200 Arbeiter*innen.

Kronospan soll in vier Jahren rund 100 Millionen Euro in die Bjelovar-Fabrik investiert haben.
Die kroatische Tochtergesellschaft hat 2015 mit dem Bau einer zusätzlichen Halle und einer neuen Produktionslinie in Bjelovar begonnen. Dieses große Investitionsprojekt im Wert von 770 Millionen Kuna hat seinen Höhepunkt 2019 erreicht und wurde zur besten großen Produktionsinvestition in Kroatien erklärt.
Quelle: LIDER, 23.November 2019

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Wenn die EU nicht zukünftig bei weiteren Verstößen und Abholzungen für Kronospan und die anderen Holzkonzerne sofort ein Vertragsverletzungsverfahren einleitet, dann wird es bald keine Wälder mehr zu schützen geben.

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Über ein Drittel Kroatiens, das sind rund 2 Millionen Hektar, sind von Wäldern bedeckt. Etwa 95 Prozent davon sind weitgehend naturbelassene Mischwälder und mit rund 81 Prozent in staatlichem Besitz.

Doch erst im März 2021 hat ein Bericht der „Association of Veteransand Social Action (VIDRA)“ die Zerstörung der Wälder im kroatischen Vesna Grgic aufgezeigt. Als Ursache für den Kahlschlag großer Waldflächen werden Korruption und finanzielles und ökologisches Missmanagement in Naturparks und Natura 2000-Gebieten genannt. Mit verheerenden Folgen für das Ökosystem.

Angesichts all dieser Vorwürfe hat sich der EU-Abgeordnete Thomas Waitz vor Ort ein Bild gemacht und an die Europäische Kommission gewandt. Die europäischen Grünen fordern die EU-Kommission auf, die Schlupflöcher in der aktuellen Gesetzgebung zu schließen und die EU-Vorschriften in „Natura 2000“ den und anderen Schutzgebieten durchzusetzen.

Auch Kronospan betreibt eine Fabrik in Kroatien. Die Kronospan CRO d.o.o. Spanplattenfabrik in Bjelovar mit rund 200 Arbeiter*innen. Kronospan soll in 4 Jahren rund 100 Millionen Euro in die Bjelovar-Fabrik investiert haben. Die kroatische Tochtergesellschaft hat 2015 mit dem Bau einer zusätzlichen Halle und einer neuen Produktionslinie in Bjelovar begonnen. Dieses große Investitionsprojekt im Wert von 770 Millionen Kuna hat seinen Höhepunkt 2019 erreicht und wurde zur besten großen Produktionsinvestition in Kroatien erklärt. (Quelle: LIDER, 23.11.2019)

Der Kampf gegen die illegale Abholzung in Rumänien

Ein weiteres wichtiges Land für die Lieferung von Holz an Konzerne ist Rumänien. Seit Jahren dokumentiert die NGO „Agent Green“ die illegale Abholzung in geschützten Gebieten, zahlreiche Dokumentationen wurden darüber gedreht. Und erst kürzlich konnten wir gemeinsam mit Gabriel Paun von „Agent Green“ einen aktuellen Bericht in Wien präsentieren. 

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Rumäniens Wälder in Gefahr

Noch befinden sich in Rumänien riesige Waldflächen und die letzten Urwälder Europas, aber diese drohen zerstört zu werden.

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Im Jahr 2020 wurden in Rumänien noch 6.930.000 Hektar Wald verzeichnet.
Einige Teile dieser riesigen Fläche beheimaten mehrere Hundert Jahre alte Bäume, während im Rest von Europa die Rotbuche fast verschwunden ist.
Deswegen hat die Unesco diese Buchenwälder 2007 zum "Erbe der Menschheit" und die EU einen Großteil dieser Urwälder zum "Natura 2000" Schutzgebiet erklärt.

Quelle: epp.eurostat.ec.europa.eu

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Doch das Holz der (Rot)buchen ist auch ein heiß begehrter, äußerst lukrativer Rohstoff.
Deswegen sind in den letzten 15 Jahren bereits 45 Prozent der Urwälder vernichtet worden.
Das Geschäft mit der illegalen Abholzung boomt und Korruption verhindert den Schutz der Wälder.

Quelle: Euronatur

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Die Daten aus der offiziellen Waldinventur der rumänischen Forstbehörde, die die Wälder verwaltet, sprechen Bände.

So wurden im Jahr 2018 rund 18 Millionen Kubikmeter Holz legal geschlagen und weitere 20 Millionen illegal. Das Ergebnis ist ein ständig schrumpfender Wald. Obwohl dieser die Heimat vieler bedrohter Tierarten und der auch in Anbetracht der drohenden Klimakrise unbedingt in seiner Gänze erhalten bleiben muss.

Quelle: Addendum ("Abgeholzt", Projekt "Holzmafia")

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Die meisten und größten Sägewerke in Rumänien, die nach immer mehr Baustämmen zur Verarbeitung verlangen - weit mehr als legal jemals geschlagen werden könnten - werden von Österreichern betrieben.
Es handelt sich um Töchter der Holkonzerne HS Timber (früher Schweighofer), Kronospan und Swiss Krono im Besitz der Salzburger Familie Kaindl und dem Tiroler Holzriesen Egger.
Alle drei wurden im Jänner 2021 in Rumänien zu Strafen in Millionenhöhe verurteilt. Untersucht wurden mutmaßliche wettbewerbsrechtliche Verstöße zwischen 2011 und 2016. Gemeinsam mussten sie zahlen sie für die erzielten Vergleiche mit der Wettbewerbsbehörde gut 26 Millionen Euro bezahlen. Davon musste Schweighofer über zehn Millionen Euro, Kronospan rund 9,5 Millionen Euro und Egger fast fünf Millionen Euro begleichen.

Quelle: Rise, Rumänischen Wettbewerbsbehörde

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Alleine in einem Sägewerk von HS Timber wurden in den letzten Jahren 40 Baumstämme pro Minute, beziehungsweise 2.400 Baumstämme in einer Stunde und 28.800 in einer Schicht zu Brettern verarbeitet.
Zudem hatte HS Timber (Schweighofer) in der Vergangenheit mit einigen Skandalen zu kämpfen und verlor dadurch auch das FSC-Gütesiegel als Nachweis für vermeintlich nachhaltig erzeugtes Holz.
Laut FSC-Untersuchungsbericht wurden „klare und überzeugende Beweise“ angeführt, dass der Konzern „systematisch (…) direkt und indirekt in den Handel mit illegalem Holz verwickelt“ war und in Verbindung „zu Personen und Firmen mit kriminellem und korruptem Hintergrund“ stand.

Quelle: Addendum ("Abgeholzt", Projekt "Holzmafia")

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Der größte private Waldbesitzer in Rumänien ist seit dem Jahr 2016 der schwedische Möbelriese IKEA.
Gleichzeitig gilt IKEA auch als der Konzern der Welt, der das meiste Holz verbraucht, sogar ein Prozent des gesamten globalen jährlichen Holzverbrauchs soll auf dein Möbelkonzern zurückfallen.
Wenig verwunderlich, dass der systematische Aufkauf von Waldgebieten bei Umweltschützer*innen auf wenig Begeisterung stößt.
Die Waldfläche die IKEA inzwischen besitzt und in der sich auch einige Natura2000 Schutzgebiete befinden, ist größer als das gesamte Wiener Stadtgebiet.

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Gabriel Paun von Agent Green über IKEAs Umgang mit den Wäldern in Rumänien

Die von Agent Green überprüften Waldbewirtschaftungspläne von IKEA fördern aktiv die Abholzung alter Wälder, sogar in Schutzgebieten, in denen die Tiere auf diese alten Bäume angewiesen sind.

Aufzeichnungen aus der Nationalen Forstinventur Rumäniens belegen, dass zwischen 2013 und 2018 jährlich 38 Millionen Kubikmeter Holz geschlägert wurden – das sind rund doppelt so viel, wie in den Waldmanagementplänen genehmigt waren.

Auf jeden legal gefällten Baum folgt demnach ein weiterer illegaler! Selbst ein aktuell laufendes Vertragsverletzungsverfahren der EU scheint keine Wirkung auf die rumänische Holzmafia zu haben – so beweisen es Satellitenbilder. Der nationale Katalog der „Virgin Forests“ umfasst derzeit nicht einmal zehn Prozent der 525.000 Hektar dokumentierter Natur- und Urwälder Rumäniens. Zielvorgabe waren ursprünglich 400.000 Hektar. Und gut zwei Drittel der aktuell neu hinzu genommenen Wälder hatten ohnehin schon den Status des UNESCO-Weltnaturerbes.

Vom Wald ins Kinderzimmer

Das führt uns zu unserer letzten Station: Dem Handel. Am Beispiel von IKEA, dem milliardenschweren schwedischen Möbelriesen, möchten wir zeigen, wie der Kreis des Holzes sich schließt. Denn IKEA ist nicht nur weltgrößter Holzverbraucher, sondern auch Waldbesitzer und Möbelproduzent. Und natürlich auch ein Abnehmer von Kronospan-Produkten.  

Nicht nur in Polen kommt es zwischen IKEA und Kronospan zu Geschäftsbeziehungen, auch in Rumänien und Russland arbeiten der schwedische Möbelriese und der Spanplatten-Gigant zusammen. Allerdings nicht auf die Art, wie man es wohl vermuten würde. Denn IKEA kauft nicht nur Spanplatten von Kronospan, sondern Kronospan kauft auch das Holz von IKEA, dem größten privaten Waldbesitzer Rumäniens.

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IKEA: Außen hui, innen pfui!

Was wirklich hinter der grünen Fassade des schwedischen Möbelriesen steckt.

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Kein anderer Konzern verbraucht so viel Holz wie IKEA.

Sogar ein Prozent des globalen Holzverbrauchs kann dem Konzern zugeschrieben werden.

IKEAS Holzverschleiß hat sich in den letzten zehn Jahren sogar verdoppelt.

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Gigantischer Baumverschleiß

Der Konzern muss jährlich zirka 1,8 bis 2,5 Millionen Bäume mehr als im jeweiligen Vorjahr verarbeiten, um sein Wachstumstempo aufrechterhalten zu können.

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Wegwerfmöbel

Leider erweisen sich IKEA Möbelstücke als kurzlebig, weswegen Möbel von einem lebenslangen Begleiter zur Wegwerfware verkommen.

Erschwerend hinzu kommt, dass IKEA immer wieder nachgewiesen wird, dass Möbel aus illegal gerodeten Urwaldholz gefertigt wurden.

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Beispiel Brimnes
Kommode 2020

Das billige Möbel aus Spanplatten wurde in der rumänischen Möbelfabrik "Ecolor" mit geschütztem Urwaldholz aus der Ukraine produziert.

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Dreistes Greenwashing

IKEA wirbt damit, dass durch die Verwendung von Sägeresten und Altholz bei den Spanplatten für die Kommode Brimnes, der gesamte Baum und nicht nur den Baumstamm verwendet wurde.

Der Möbelriese verschweigt allerdings, dass der Baum aus einem Schutzgebiet stammt und als solcher gar nicht hätte verwendet werden dürfen.

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Illegal gerodetes Holz aus der Ukraine

Recherchen der britischen NGO "Earthsight" ergaben, dass regelmäßig und nachweislich illegal geschlagenes Holz aus der Ukraine im IKEA-Regal landet.

Alleine 2018 wurden in einer Region 109 illegale Rodungen verzeichnet. Viel von diesem Holz landete bei IKEA, wie Angestellte der staatlichen Waldunternehmung bestätigten.

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Die Lieferkette

Das ukrainische Holz soll vom staatlichen Forstbetrieb "Velyky Bychkiv" in den Karpaten, der Heimat von bedrohten Luchs- und Bärenpopulationen, illegal beschafft worden sein.

Später wurde es in der rumänischen Möbelfabrik "Ecolor" verarbeitet.

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IKEA will weitermachen wie bisher

Wie immer, wenn der Konzern mit Missständen in einer Lieferkette konfrontiert wird, beteuerte er "den Fällen nachgehen".

Obwohl IKEA genau weiß und dies auch selbst bestätigt, dass es sich bei der Ukraine um ein «Hochrisikoland» handelt, will er weiter sein Holz auch von dort beziehen.

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IKEA und Kronospan

Laut Agent Green in Rumänien beliefert IKEA die drei österreichischen Holzkonzerne Kronospan, HS Timber und Egger mit dem Holz aus seinem Waldbesitz.

Obwohl die Rumänische Wettbewerbsrat 2021 gegen alle drei die höchsten Geldstrafen, in Höhe von über 24 Millionen Euro wegen wettbewerbswidriger Absprachen verhängt hat.

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Am Beispiel des LÄTT-Kindermöbel kann man exemplarisch eine Lieferkette eines IKEA-Produkts nachvollziehen. Und damit beschließen wir auch die Reise in die Welt des Holzes. 

Klicke auf die Symbole der Karte, um alle Stationen in der Lieferkette der LÄTT Kindermöbel kennen zu lernen!

Hier gibt das Dossier zum Thema zum Download

Das Kapitel Holz wurde mit Unterstützung der Grünen/EFA und dem Abgeordneten Thomas Waitz im Europäischen Parlament erstellt.

In Kooperation mit der Tschechischen NGO NEKRONO („Nein zu Kronospan!“).